Allen, denen das Älterwerden bevorsteht

und ganz besonders jenen,

die schon alt geworden sind

 


 ROGER WISNIEWSKI

 

Phänomene und Perspektiven des Alterns

Philosophische, psychologische und sozioökonomische Reflexionen

 

 

 

Inhalt

 

Vorbemerkungen                                                          7

Wann ist man alt?                                                       15

Forever young? – Aging und Anti-Aging      23

Die Lebensphasen                                                       33

Rente und Pflege                                                         47

Historischer Blick auf das Alter und                71

die Endlichkeit

Älterwerden beschäftigt jeden                          89

Philosophie der Endlichkeit                                 111

Die Angst vor dem Tod aus psycho-                155

logischer Sicht  

Die Kunst, gut zu leben bis zum Schluss     167

Mein persönliches Fazit                                          189

Personenregister                                                          198

Detailliertes Inhaltsverzeichnis                         201 (I – IV)


 

Vorbemerkungen

Bei dem hier auf meiner Website veröffentlichten Text handelt es sich um Ausschnitte aus einzelnen Kapiteln des Buch,

damit Sie einen Eindruck von den Themen und Inhalten bekommen.

Älterwerden – gute oder schlechte Jahre?

Wir wünschen uns ein möglichst langes Leben, Gesundheit, einen ruhigen und dennoch ausgefüllten Lebensabend. Wir wünschen uns Gewissheit, Sicherheit und Verlässlichkeit darüber, wie wir im Alter leben werden. Mit anderen Worten: Wir hoffen auf erfreuliche letzte Jahre, die mit möglichst wenig Einschränkungen, Krankheiten, Ärger und Aufregung verbunden sind. Mit dem Älterwerden und den damit verbundenen Ungewissheiten und auch Ängsten haben wir schon genug zu tun. Das sind jedenfalls meine Erfahrungen.

Die Literatur über Älterwerden, Altsein und Sterbenmüssen ist unüberschaubar. Wozu jetzt noch dieses Buch? Meine Antwort ist: Das menschliche Leben steht in engem Zusammenhang mit Erkenntnissen und Fragen aus unterschiedlichen Disziplinen wie der Soziologie und Ökonomie, der Medizin und Psychologie – aber vor allem mit kulturellen und philosophischen Fragen, die zu bedenken sind.

Denn je nach Perspektive entwerfen wir unterschiedliche Sichtweisen auf die Welt, auf die Wirklichkeit oder ein bestimmtes Themengebiet. Perspektiven, und damit sind hier Standpunkte und Forschungsergebnisse gemeint, die entweder wissenschaftlich validiert oder aus subjektiver Erfahrung herrühren und von persönlichen Gefühlen, Vorurteilen und Interessen beeinflusst sind.

Man könnte das auf die Zukunft gerichtete Perspektivische, wie NIETZSCHE es getan hat, als die Grundbedingung alles Lebens bezeichnen. ORTEGA Y GASSET hielt die Perspektive für eine Komponente der Wirklichkeit und ihr Ordnungsschema, sie böte, wie eine Landschaft unendlich viele Perspektiven, die alle gleich wahr und gleichberechtigt seien. Falsch sei allein die Perspektive, die behaupte, die einzige zu sein.

 

Was unsere Perspektive betrifft, werden wir als Gesellschaft, aber auch als Einzelne, in den nächsten Jahren in eine sehr kritische Lage kommen. Denn die Lebenszeit hat sich in den letzten dreißig Jahren in der westlichen Welt enorm verlängert, und sie wird für nachfolgende Generationen nochmals länger andauern. Viele werden, in körperlich einigermaßen guter Verfassung neunzig, manche hundert Jahre alt und sogar noch älter werden.

Ein hohes Alter, das bis ins 19. Jahrhundert ein Privileg der Reichen war, wird für kommende Generationen, jedenfalls in der westlichen Welt, die Regel sein. Das ist einerseits eine positive Nachricht, allerdings wird diese Entwicklung vieles radikal verändern.

Wenn Veränderungen anstehen, kann es sinnvoll und hilfreich sein, die Fragen und möglichen Probleme zu untersuchen, die solche Veränderungen mit sich bringen können. Als Autor und gleichzeitig Betroffener habe ich versucht, die philosophischen, psychologischen, sozialen und ökonomischen Aspekte, die mit dem Älterwerden und Altsein in unserer Zeit zusammenhängen – im Rahmen meiner Erfahrungen und Kenntnisse aus den genannten Bereichen – zusammenzutragen.

 

Sollten Sie, liebe Leserin, lieber Leser, bereits zur älteren Generation zählen, werden Sie meine Überlegungen vielleicht nachvollziehen können, weil Sie sich auch schon Gedanken über dieses Thema gemacht haben. Wenn Sie jedoch jünger sein sollten, so zwischen 35 und 55, werden Sie vielleicht denken, dass das, worum es hier geht, Sie noch lange nicht betrifft, sondern irgendwann in der Zukunft. Sie denken vielleicht, mit dem Älterwerden können Sie sich später immer noch beschäftigen? Klar, können Sie! Allerdings sollten Sie den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen!

 

Wir sollten uns auf das Alter vorbereiten

Sie können nach meiner Erfahrung gar nicht früh genug damit beginnen, für Ihre letzte Lebensphase zu planen und vorzusorgen: nicht nur finanziell, sondern auch mental und praktisch handelnd. Sie sollten rechtzeitig mit ihrer Familie reden, mit ihren Freunden und da wo es sinnvoll ist, z.B. wenn es um das Testament geht oder andere rechtliche und finanzielle Angelegenheiten, mit Fachleuten, die sich auskennen.

Wenn Sie jedoch zu denjenigen gehören, die sich über ihr Älterwerden und ihre Endlichkeit keine Gedanken machen oder machen wollen, dann ist das auch völlig in Ordnung. Vielleicht meinen Sie ja, dem Schicksal könne man eh nicht entgehen, es sei ohnehin alles vorbestimmt und deshalb würde es schon irgendwie gut ausgehen. Fatalismus, der Glaube an die Macht des Schicksals, hat immer schon Menschen geleitet.

Für immer mehr Jüngere stellt sich allerdings inzwischen die drängende Frage, wie und wovon sie im Alter leben können. Wie und von wem die jetzt schon längere Lebenszeit finanziert werden und ob man sich im Alter noch etwas leisten kann, ob man sich das Alter leisten kann. Denn zu der uns Menschen naturgemäßen Angst vor dem Älterwerden und dem Tod wird für viele in Zukunft die berechtigte Befürchtung hinzukommen, im Alter arm und auf Zuwendungen von Familienangehörigen oder gemeinnützigen und ehrenamtlichen Hilfsorganisationen angewiesen zu sein.

Kann vor diesem Hintergrund das Ideal, das über Generationen galt, nämlich den Angehörigen im Alter nicht zur Last fallen zu wollen, von den Kindern finanziell unabhängig zu sein, noch realisiert werden? Ich fürchte nein!

Es braucht deshalb vor allem Mut und Zuversicht, sprich Optimismus, um einigermaßen erfreuliche letzte Jahre verleben zu können. Das gilt ganz besonders dann, wenn es darum geht, die Herausforderungen des Alters zu bewältigen und mit der eigenen Endlichkeit klar zu kommen.

 

Zu Buch und Inhalt

Das Buch wendet sich nicht nur an die Älteren in unserer Gesellschaft. Ich habe beim Verfassen des Textes immer auch an die jetzt Jüngeren gedacht, denen selbst das Alter wahrscheinlich auch ein hohes Alter über kurz oder lang bevorstehen.

Sowohl das medizinische und pflegerische Personal als auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Institutionen und Organisationen, die sich mit den Themen der dritten Lebensphase beschäftigen, sind als Adressaten angesprochen. Und nicht zuletzt sind diejenigen gemeint, die auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene die Themen Altersvorsorge und Pflege politisch zu verantworten haben.

 

Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das die Zeit seiner Reproduktivität viele Jahre überleben, das über sein Älterwerden, seine Endlichkeit und die damit verbundenen Befürchtungen und Ängste reflektieren und sich mitteilen kann. Das haben Menschen immer schon getan.

Deshalb werden in diesem Buch, neben den aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen zur Situation der älteren Generation, die Ergebnisse der Alternsforschung (Gerontologie) und die Erkenntnisse aus Soziologie und Psychologie über das Alter beschrieben.

Es werden Erkundungen zum Thema Älterwerden, Altsein und Sterbenmüssen bei den großen Geistern der westlichen Philosophiegeschichte eingeholt. Wie haben Philosophinnen und Philosophen über das Älterwerden, Altsein und Sterbenmüssen gedacht und geschrieben? Welche Fragen haben sie gestellt und welche Antworten haben sie gegeben?

Seit Jahrzehnten berichten Expertinnen und Experten aus den Fachgebieten der Alternsforschung (Gerontologie), der Psychologie und Psychotherapie über ihre Forschungsergebnisse dieser letzten Lebensphase. Auch darüber wird zu berichten sein.

 

Eine weitere wichtige Frage wird sein, wie wir, jeder einzelne, mit unserer Endlichkeit umgehen, wie wir Befürchtungen vor dem Altsein und unsere Angst vor dem Tod bewältigen können.

Gerade die Auseinandersetzung mit den philosophischen Traditionen scheint mir der beste Weg zu sein, die eigene Meinung zu überprüfen und die Sichtweise zu schärfen. Sie ermöglicht herauszufinden, was für einen selbst richtig oder falsch ist. Das ist auch der Grund warum ich versucht habe, Älterwerden, Altsein und die Endlichkeit vor allem philosophisch zu reflektieren.

Die letzten Jahre sollten wir möglichst als Gewinn und nicht als Verlust erleben. Dabei kann eine heitere, zuversichtliche und lebensbejahenden Grundhaltung helfen, Krisen zu bestehen. Das ist aber für manchen heute schon aus den zuvor genannten Gründen kaum mehr möglich und wird für viele in naher Zukunft noch schwieriger werden. Das darf so nicht kommen!

Deshalb: Nicht nur wir sollten uns auf unser Alter vorbereiten, auch die Regierung braucht einen guten Plan für die Altersvorsorge und die Pflege.

 

Der besseren Lesbarkeit wegen wird im Text in der Regel abwechselnd jeweils eine Geschlechtsform verwendet. Wenn ich in der weiblichen Form schreibe, sind gleichzeitig die männliche und andere Identitäten mitgemeint und genauso umgekehrt.

 

 

Wann ist man alt?

 

Es kommt auf die Sichtweise an. Jeder altert auf seine Weise, aber wann ist man alt? Diese Frage wird oft gestellt, ist aber nicht leicht zu beantworten.

Die Definition von Alter ist seit vielen Jahren eine akademische Diskussion mit dem Ergebnis: Alter ist nicht eindeutig zu definieren und wirkt sich bei jedem Menschen anders aus. Entscheidend ist, welche Sicht ich auf das Alter habe.

Woran soll man sich auch orientieren? Vielleicht an den Entscheidungen der Politiker, die festgelegt haben, dass man zukünftig mit 67 zu den Alten gehört und in Rente zu gehen hat? Nur unter dieser Bedingung sei die staatliche Altersversorgung in Zukunft noch finanzierbar, so die Begründung. Vor allem die Belastung der heute noch Jungen würde ansonsten in Zukunft erheblich ansteigen, ist ein weiteres Argument.

Oder soll man sich nach den Sozialwissenschaftlern richten, die vom sozialen Alter sprechen. Damit ist die Rolle gemeint, die jemand in der Gesellschaft spielt und seine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe. Dazu zählen auch der Ort oder die Stadt, in der jemand lebt, die Familie und das soziale Umfeld wie Freunde und andere Kontakte. Das Selbstbild, das ältere Menschen von sich haben, wird wesentlich mitbestimmt vom in der Gesellschaft vorherrschenden Fremdbild der älteren Generation.

Oder soll man sich an den Medizinern orientieren, die ein biologisches von einem biografischen Lebensalter unterscheiden? Die ab 70 von geriatrischen Patienten sprechen. Von älteren Menschen, die alterstypische Krankheiten haben, oftmals mehrere, die dazu noch chronisch sein können?

Alter bedeutet jedenfalls nicht zwingend Krankheit und nicht jede Krankheit ist altersbedingt. Deshalb sollten Krankheit und Alter begrifflich und assoziativ entkoppelt werden. Das jedenfalls fordert die Sachverständigenkommission des Deutschen Zentrums für Altersfragen. Ein Forschungsinstitut, das im Auftrag der Bundesregierung Lebenssituationen und Lebensstile älter werdender Menschen im gesellschafts- und sozialpolitischen Kontext untersucht.[1]

 

Über das Altern, den ständig fortschreitenden und irreversiblen Prozess des Altwerdens, sind jedenfalls viele unterschiedliche Theorien aufgestellt worden. Eine abschließende Theorie gibt es bis heute nicht. Auch, weil das Altern, neben den medizinischen und sozialen, eine Vielzahl von ökonomischen, psychologischen und ethischen Fragen aufwirft.

Für die ökonomischen Angelegenheiten sind die Politikerinnen und Politiker zuständig, aber auch jeder Einzelne ist hier für sich selbst verantwortlich, für die gesundheitlichen die Mediziner und ebenfalls jeder Einzelne. Mit den gesellschaftlichen und sozialen Fragen des Alters beschäftigt sich die Soziologie und mit den ethischen die Philosophie.

Fazit: Altern ist ein mehrdimensionales Veränderungsgeschehen, bedingt durch biografische, biologische, soziale und psychologische Einflüsse. Vor diesem Hintergrund möchte ich versuchen, die unterschiedlichen Aspekte des Älterwerdens, Altseins und Sterbenmüssens zu erkunden und auszuleuchten.

 

Alternsforschung: Gerontologie und Geriatrie

Die Alternsforschung zeigt jedenfalls, dass wir nicht nur immer älter werden und länger körperlich gesund bleiben können. Sie fordert auch eine neue Sichtweise auf die letzte Lebensphase, die wir bisher als die dritte bezeichnet haben. Diese soll, so die Empfehlung, in ein junges als dritte und ein hohes Alter als vierte Lebensphase aufgeteilt werden.

Das sagt jedenfalls der Psychologe Hans-Werner Wahl, Professor für Psychologische Alternsforschung an der Universität Heidelberg: »Die Chancen des ›jungen Alters‹, also etwa zwischen dem 60. und dem 80. Lebensjahr, müssen heute im Sinne einer qualitativ völlig neuen Lebensphase gedeutet werden. Doch auch das ›alte Alter‹ jenseits etwa des 80. Lebensjahrs ist lang geworden – und dauert heute nochmals fünf bis zehn Jahre. […] Das Älterwerden hat sich in den zurückliegenden 60 bis 70 Jahren erheblich verändert. Ein wenig pointiert lässt sich sagen: Die heutigen Alten haben nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun mit jenen der 1970er-Jahre. Da ist etwas völlig Neues in der demographischen Welt unserer Gesellschaft entstanden. Auch beobachten wir zunehmend eine Art Normalisierung des Alterns. Altern ist nicht mehr etwas ›Besonderes‹, das wir immer erst dezidiert einführen müssen, sondern eine von mehreren Lebensphasen, die alle ihre Sonnen- und Schattenseiten, ihre Gewinn- und Verlustaspekte besitzen.« [2]

 

Unser biologisches Alter, gemeint ist das unumkehrbare physiologische Entwicklungsstadium eines Organismus, hängt mit den vererbten Genen und unserem Lebensstil zusammen. Vor allem spielen Ernährungsgewohnheiten und sportliche Aktivitäten eine wichtige Rolle, um ein hohes Alter zu erreichen.[3]

Ein Mensch kann ein biografisches Alter von 70 Jahren haben, aber aus biologischer Sicht die Kraft und das Aussehen eines Endfünfzigers. Er kann aber auch mit 70 wie ein 80-Jähriger aussehen und sich auch so fühlen.

Und wie alt fühlt man sich? Jemand kann sich vital oder erschöpft fühlen, heiter oder niedergeschlagen. Aber kann man 60, 70, 80 oder gar 90 Jahre fühlen? Ich kenne niemanden, der das kann. Lebensjahre fühlt man nicht, man zählt sie. Die meisten jedenfalls, mit denen man über das gefühlte Alter spricht, fühlen sich subjektiv jünger als sie sind.

Untersuchungen zeigen, dass Ältere, solange jemand einer noch älteren Generation in ihrer Familie oder im näheren Umfeld lebt, sich selbst nicht alt fühlen. Wie schön, wenn man nicht der Älteste in der Familie ist.

Tatsache ist: Das Altern beginnt mit der Geburt, es ist ein lebenslanger Prozess. Denn bereits am Tag der Geburt sterben Zellen ab, allerdings bilden sich auch neue, und zwar bis ins hohe Alter.

  

Alterslob und Altersschelte früher und heute

Die Lebensphase Alter war früher vor allem durch die Begriffe Alterslob und Altersschelte markiert. Das eine war ein Altern in Würde und mit Gewinn, das andere die Klage über Verfall und Verlust.

Beim Alterslob war die Rede von reicher Erfahrung und Weisheit, Heiterkeit und Gelassenheit; einer Lebensphase, in der man die Ernte des Lebens einfahre. Die Altersschelte handelte von den Mühen des Alters, den Krankheiten, den physischen und sozialen Verlusten und dem nahen Tod.

Noch vor wenigen Jahrzehnten machte Simone de Beauvoir (1908 – 1986), französische Schriftstellerin und Philosophin, ihre eher negative Sicht auf das Alter, vor allem wegen der Einstellung der Gesellschaft zum alten Menschen und zum Alter deutlich. Sie hielt vor allem die soziale Lage der Alten für entscheidend, was die Bewertung des Alters betraf und schrieb 1970: »Um zu verstehen, in welchem Maße der alte Mensch der Zukunft ohnmächtig gegenübersteht, müssen wir untersuchen, wie sich ihm die Zukunft darstellt. Wir werden sehen, dass sie ihm in zweifacher Weise zu Ende erscheint: Sie ist zu kurz und sie ist ausweglos.«[5]

Aber ist die Zukunft, bezogen auf die relativ kurze Zeit, die der Mensch auf der Erde verbringt, nicht immer demnächst schon zu Ende? Ist nicht ohnehin ein Menschenleben in Relation zum Alter des Universums und unserer Erde kürzer als ein Wimpernschlag?

An anderer Stelle in ihrem vielgelesenen Buch wird deutlich, was sie mit ausweglos in Bezug auf die Endlichkeit meint: »Morgen wird die Sonne untergehen und ich bin nirgends mehr. Nur mein Körper wird noch sein. Und wenn du eines Tages meinen Sarg öffnen lässt, wirst du nichts darin finden als ein wenig Asche. Selbst die Knochen werden zu Staub zerfallen sein.«

Es sei kaum zu ertragen für sie, fährt sie fort, wenn sie voller Melancholie an all die Bücher, die sie gelesen, an all die Orte die sie besucht, an das Wissen, das sie angehäuft, an die ganze Musik, die ganze Malerei, die ganze Kultur, an all die Bindungen denke und daran, dass die großen und wunderbaren Augenblicke des Lebens verloren gehen. Plötzlich würde nichts mehr bleiben, es würde nichts mehr da sein, niemals wieder auferstehen, beklagt sie die Endlichkeit des Lebens.

Beauvoir hatte damals schon die soziale Lage der älteren Menschen in den Mittelpunkt ihrer Kritik gerückt. Vor allem, weil die finanziellen Mittel nicht ausreichten und Menschen die letzten Jahre ihres Lebens in Armut fristen mussten. Sie hatte erkannt, was es bedeutet, wenn die Lebensqualität sich im Alter verschlechtert.

 

Hans Blumenberg (1920 – 1996), deutscher Philosoph, hat die Dauer eines Menschenlebens als eine Episode bezeichnet. Er ging davon aus, dass Menschen irgendwann von der Erdoberfläche wieder verschwinden werden, und dass dann niemand mehr wissen könne, dass Menschen jemals gelebt haben.

Wenn wir weiter die Natur ausbeuten und das Klima schädigen, werden wir in nicht allzu langer Zeit wieder von der Erde verschwinden.

Der Tod ist für uns unfassbar. Manche meinen, er sei eine Zumutung und nur schwer zu ertragen; andere finden, er sei eine Tragödie und ein Skandal.

Richtig ist, dass ein alter Mensch nicht mehr lange leben wird. Es stellt sich jedoch die Frage, ob er der Zukunft tatsächlich ohnmächtig ausgeliefert ist, weil sein Leben begrenzt, weil es endlich ist.

Beauvoirs negative Sicht auf das Alter bezog sich vor allem auch auf die ökonomische Situation alter Menschen: Die Einkommensverhältnisse, die finanziellen Bedingungen entscheiden, wie jemand seinen Lebensabend verbringen wird, befand sie.

Heute wissen wir, dass sich bereits die Aussicht auf Altersarmut negativ auf die Gesundheit auswirken und tatsächliche Armut, sollte sie denn eintreten, die Lebenszeit sogar verkürzen kann. Dazu im folgenden Abschnitt der Beleg.

 

Meinungen, Vorurteile, Paradigmen

Kann es überhaupt eine positive Sicht auf das Alter geben, frage ich mich und wenn ja, gibt es Belege dafür. Ich finde einen ersten beim leider schon früh verstorbenen Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Frank Schirrmacher (1959 – 2014) in dessen 2004 erschienen Buch Das Methusalem-Komplott: »Im Jahre 1975 begannen Forscher im amerikanischen Bundesstaat Ohio mit einer 20 Jahre währenden Langzeitstudie. Gegenstand: das Alter einer ganzen Stadt. Die spektakulären Ergebnisse dieser Studie wurden erst 2004 veröffentlicht. Die Teilnehmer der Studie wurden über die Dauer von 20 Jahren sechsmal befragt, wie sie über ihr eigenes Altern und das Altern generell denken. Die Studie bewies, dass diejenigen, die das Alter für eine erfüllte Phase ihres Lebens ansahen und über ältere Menschen positiv dachten, im Schnitt siebeneinhalb Jahre länger lebten als diejenigen, die vom Alter nichts erwarteten. ›Dieser Unterschied blieb auch bestehen, wenn wir den sozialen und ökonomischen Status, das Geschlecht, die sozialen Beziehungen und die Gesundheit der Menschen kontrollierten. […] Die erhöhte Lebenserwartung von siebeneinhalb Jahren, die unsere Studie nachweist, ist beträchtlich.‹ Der Einfluss eines positiven Selbstbildes und eines positiven Bildes des Alterns für die Überlebensrate des Menschen ist größer als die Auswirkungen von Blutdruck oder hohem Cholesterin, die eine Lebensverkürzung von vier Jahren oder weniger bewirken.« [6]

Im ersten Moment erstaunt das Ergebnis der Studie. Wer ein positives Bild von sich in Bezug auf sein Altern hat, soll mehr als sieben Jahre länger leben? Kann man dem Tod doch ein Schnippchen schlagen und ihn in die Warteschleife abwimmeln? Offensichtlich ja, denn wenn wir das Alter als etwas Bedrohliches ansehen und ein negatives Selbstbild haben, ergeben wir uns unserem Schicksal. Die gute Nachricht ist: Wir sind nicht ohnmächtig, wir haben Einfluss auf die Dauer unseres Lebens.

Eine weitere Bestätigung finde ich bei Martin Korte, Professor für Neurobiologie an der TU Braunschweig, im Zusammenhang mit unseren bewussten und unbewussten Vorurteilen, die sich auf unser eigenes Selbstbild auswirken: »Wie subtil und stark diese Art von Vorurteilen wirken können hat auch das Forschungsteam um John Bargh von der angesehenen Yale-Universität gezeigt. Er ließ ältere Probanden klischeehafte Aussagen über alte Menschen lesen, etwa den Satz Alte Menschen haben graue Haare oder Alte Menschen sind vergesslich. Das bloße Lesen solcher Altersstereotype veränderte die Probanden – für sie selbst unbemerkt und auf fast unheimliche Art und Weise: Sie bewegten sich nach Abschluss des Experimentes langsamer in Richtung Ausgang, wie eine Messung ihrer Gehgeschwindigkeit im Vergleich zu der einer gleichaltrigen Gruppe zeigte, die nicht mit diesen Aussagen konfrontiert worden war.«

 

Unser Denken, unsere Vorstellungen, Ansichten und Meinungen beeinflussen unser Verhalten. Zu dieser Erkenntnis kam bereits der griechisch-römische Philosoph Epiktet (50 – 138 n.u.Z.) und formulierte sie in einem berühmten Diktum: »Nicht die Dinge beunruhigen die Menschen, sondern ihre Meinungen über die Dinge. So ist zum Beispiel der Tod an sich nichts Furchtbares – sonst hätte er auch dem SOKRATES furchtbar erscheinen müssen –, sondern nur die Meinung, er sei schrecklich, ist das Schreckhafte.« [7]

Mit anderen Worten: Wenn wir unsere Meinung über unsere Sichtweise auf die Dinge verändern, verändern sich die Dinge selber.

Ist das eine Möglichkeit, um mit unserer Endlichkeit besser umgehen zu können? Sollten wir nicht unsere Vorurteile, unsere Meinungen, unsere Sichtweisen immer wieder überprüfen und sie ändern, wenn es sinnvoll und erforderlich erscheint? Das gilt ja nicht nur für die Tatsache unserer Endlichkeit, sondern ganz generell als Prinzip des Denkens – nicht erst seit der Aufklärung: Ein Hinterfragen, eine skeptische Haltung, um der Erkenntnis der Wirklichkeit und der Wahrheit näher zu kommen.

Was die Endlichkeit betrifft führt Epiktet übrigens aus, dass Menschen sich um das, was sie nicht beeinflussen können, erst gar nicht kümmern sollen.

Wir können auf unser Älterwerden, Altsein und die Endlichkeit unseres Lebens eine pessimistische oder optimistische Sicht haben. Wir können ängstlich auf die verbleibende Lebenszeit blicken. Wir können uns aber auch darauf freuen und optimistisch in die Zukunft schauen. Wie jemand damit umgeht und wie er sich dazu verhält, entscheidet er selber.

  

 

Forever young? – Aging und Anti-Aging

 

I am old, but I’m happy ist in Cat Stevens Song Father and son zu hören, den er 1970 veröffentlicht. Der Sohn will das elterliche Haus verlassen aber der Vater empfiehlt ihm, sich damit Zeit zu lassen und nichts zu überstürzen. Er sei noch jung und könne sich immer noch eine Frau suchen und sesshaft werden. So habe er selber es auch gemacht und jetzt sei er alt, aber er sei glücklich. Wer kann das schon von sich sagen: Ich bin alt, aber ich bin glücklich.

Wir möchten ein möglichst hohes Alter erreichen, wenn nicht gar ewig leben – kurioserweise möchte niemand alt sein, sondern möglichst lange oder auf Dauer jung bleiben. Das ist bereits im Gilgamesch Epos (2. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung) nachzulesen. Auf den gefundenen Tontafeln geht es erstmals um die übermächtige Angst vor dem Tod und um die Sehnsucht nach Unsterblichkeit.[8] Könnte der absurde Wunschtraum der Menschheit nach ewiger Jugend und ewigem Leben eines Tages vielleicht doch in Erfüllung gehen?

 

Schauen wir uns die konträren Positionen zum ewigen Leben am Beispiel zweier Philosophen aus den letzten beiden Jahrhunderten an: Ludwig Feuerbach (1804 – 1872) war der Auffassung, dass es für den Menschen eine Notwendigkeit sei, sich sein Leben ewig vorzustellen. Er verliere alle Lebenslust, wenn er sich vorstellen würde, dass morgen alles nicht mehr ist. Alles, was ihm das Leben wert und teuer mache, würde ihm eitel, sinn- und zwecklos erscheinen.

Søren Kierkegaard (1813 – 1855), wie übrigens später auch Jean-Paul Sartre (1905 – 1980), waren im Gegensatz zu Feuerbach der Auffassung, dass der Traum vom ewigen Leben dem Leben das eigentlich Humane nehme, nämlich Freiheit, Verantwortung und Individualität. Außerdem wäre ein ewiges Leben vermutlich auf Dauer auch recht langweilig. Womit sollten wir uns auch die vielen Jahre ver-treiben?

 

Von der Werbung wird uns Jungsein und Jungbleiben als erstrebenswert suggeriert. Was jung ist, wird bewundert und oft beneidet. Viele Ältere machen diesen sogenannten Jugendwahn mit und trimmen sich auf jung. Sie lassen sich liften und ihre Falten mit Botox wegspritzen. Manch ältere Männer färben ihre Haare und zahlen viel Geld für Schönheitsoperationen.

 

 

Altersarmut ist ein großes Unglück

Wenn das Rentenniveau nach 2025 weiter abgesenkt werden sollte – von heute 48 auf 44 oder gar 42 Prozent, so der Plan –, werden immer mehr Rentnerinnen und Rentner, von der Hälfte ist die Rede, in Zukunft nicht mehr mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, den eigenen und den staatlichen, auskommen. Sie werden sich massiv einschränken müssen.

Das wird vor allem Personen mit geringer Bildung treffen; ebenso alleinstehende Frauen und alleinerziehende Mütter, die in ihrem Berufsleben von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen waren; Un- oder Angelernte sowie Menschen mit Migrationshintergrund, so das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).[11]

Die Folge zeichnet sich jetzt bereits ab. Immer mehr alte Menschen sind überschuldet. Für den SPD-Sozialpolitiker Karl Lauterbach hat das ansteigende Armutsrisiko eine Demografie gefährdende Sprengkraft.[12]

Das sahen bereits Platon und Cicero ähnlich: Sie befanden damals schon, dass, wenn zum Alter Armut noch hinzukäme, das Alter nicht eben leicht zu ertragen sei – Altersarmut sei deshalb ein großes Unglück.

 

Über den Zusammenhang von Ethik und der Bedeutung materieller Ressourcen im Alter schreibt EVA JAEGGI, emeritierte Professorin für Klinische Psychologie an der Technischen Universität Berlin, in ihrem 2014 erschienen Buch Wer bin ich? Frag doch die anderen!, dass junge Menschen dem Alter oft recht zwiespältige Gefühle entgegen bringen. Auch die alten Menschen selbst seien mit ihrem Los nicht immer zufrieden: »Wie auch immer Ehrfurcht und Ehrerbietung einer Gesellschaft gegenüber ihren Alten begründet sein mag: Sie wird ganz schnell zu Missgunst und Ungeduld, wenn die materiellen Ressourcen knapp werden. Alte Menschen werden dann, ungeachtet ihrer besonderen Möglichkeiten, zu nutzlosen Mitgliedern. Diese allgemein ambivalente Haltung gegenüber alten Menschen schlägt sich auch nieder im Gefühl, das ältere und alte Menschen für sich selbst entwickeln.«[13]

Die kritische Situation in der sich Rentenversicherung und Pflege befinden, werde ich im Folgenden ausführlicher beschreiben und mit Zahlen belegen. Immerhin ist die staatliche Rente die wichtigste Einnahmequelle für die ältere Generation.

Wer sich nicht mit den Hintergründen zu Rente und Pflege beschäftigen möchte, kann mit dem Kapitel »Historischer Blick auf das Alter und die Endlichkeit« fortsetzen.

 

Was wird aus der Rente?

Unser Rentensystem erodiert, »Die demografische Falle schnappt bald zu«, so die FAZ in ihrer Ausgabe vom 01.01.2019. Der Autor weist darauf hin, dass in den kommenden Jahren die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer in Rente gehen. Ab 1955 sei die Geburtenrate enorm angestiegen und 1964 hätten die meisten Geburten aller Zeiten stattgefunden. Da diese Jahrgänge demnächst in Rente gingen, würden der Arbeitsmarkt und das Sozialsystem unter starken Druck geraten. Zu der seit Jahrzehnten niedrigen Geburtenrate (in den letzten Jahren ist sie leicht angestiegen ist) käme die immer höhere Lebenserwartung hinzu. Dies würde wegen des geringeren Wirtschaftswachstums und steigender Kosten des Sozialsystems zu einer tiefgreifenden Umwälzung unserer Gesellschaft führen.

Ähnlich äußert sich der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, auch Wirtschaftsweise genannt. Er empfiehlt in seinem Jahresgutachten 2018/2019 ein an die höhere Lebenserwartung gekoppeltes Renteneintrittsalter, um die Sozialsysteme angesichts zunehmender Alterung und wegen des demografischen Wandels finanzierbar zu halten. Die Wirtschaftsweisen sehen einen dringenden Handlungsbedarf, andernfalls sagen auch sie ein demografisches Desaster voraus.

 

Tatsache ist: Die heute jungen Leute sollten keinen komfortablen Ruhestand erwarten. Das Rentenniveau, gemeint ist das Verhältnis zwischen einer Standardrente und einem Durchschnittseinkommen, ist seit Ende der 1970er-Jahre von ca. 60 % auf heute 48 % gesunken und liegt damit weit unter dem Durchschnitt der OECD-Länder. Selbst wenn man in Deutschland sein ganzes Leben lang Vollzeit arbeiten würde, beziehe man eine vergleichsweise niedrige Rente, so die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

 

Das 3-Säulen-System funktioniert nicht

Die Lebensversicherung, ein früher wesentlicher Bestandteil der privaten Vorsorge, befindet sich in einer Krise. Die Niedrigzinspolitik der vergangenen Jahre hat sie weitestgehend unattraktiv gemacht. Damit ist eine sogenannte Renten- oder Versorgungslücke, die Differenz zwischen dem letzten monatlichen Netto-Einkommen und der gesetzlichen Rente, für jeden vorhersehbar.

Zu den Ursachen: Das im Jahre 2001 beschlossene Altersvermögensgesetz hatte zum Ziel, die Rentenversicherung langfristig für die jüngere Generation bezahlbar zu machen und ihr im Alter einen angemessenen Lebensstandard zu sichern.[14]

Dieses Gesetz war ein Paradigmenwechsel, denn Altersvorsorge soll, so will es das Gesetz, aus drei-Säulen bestehen. Die erste Säule bildet die gesetzliche Rente oder Pension als Basisversorgung, die zweite ist die betriebliche, kapitalgedeckte Altersversorgung und die dritte Säule die private Zusatzvorsorge.

Für die Ausgestaltung der dritten Säule ist jeder selber und freiwillig zuständig und das ist ein weiteres Problem. Nur wenige Berufstätige zahlen nämlich in ihre private Vorsorge, wie es für die dritte Säule erforderlich wäre, soll sie eine Wirkung haben. Mit der individuellen Verantwortlichkeit scheint es nicht weit her zu sein. Allerdings reicht bei vielen das Einkommen auch nicht aus, um selber für das Alter vorzusorgen. Es gibt deshalb inzwischen Überlegungen, ob nicht von jedem Berufstätigen ein Festbetrag verpflichtend angespart werden sollte. Zum Beispiel ein Betrag von monatlich mindestens 100 Euro, der als Vorsorgeaufwendung steuerlich absetzbar ist.

 

Seit vielen Jahren wirkt sich die negative demografische Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland – bekanntermaßen werden jedes Jahr weniger Kinder geboren als Menschen sterben – gravierend auf das Rentensystem aus.

Deshalb wurde der betrieblichen und der privaten Altersvorsorge eine hohe Bedeutung zugeschrieben. Beide sollten das Rentensystem sichern und die finanzielle Vorsorge für das Alter gewährleisten, so die Idee. Diese Erwartung war nicht mehr als eine Hoffnung, wie sich herausstellt.

Heute zeigt sich bereits, dass das groß angekündigte Drei-Säulen-Modell als Konzept der Alterssicherungspolitik in vielen Fällen selbst die Unterkunft im Alter in Zukunft kaum tragen wird. Aus dem ursprünglich erhofften Häuschen wird, wie es aussieht, eine Hütte auf drei in Teilen morschen und wackeligen Pfählen werden.

 

Erste Säule: Staatliche Rente

Das Gesetz zielte darauf, dass jeder Bundesbürger für seine Altersvorsorge selbst verantwortlich ist. Das funktioniert aber nur, wenn man erstens 45 Jahre lang einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgehen kann. Wenn man...

 

Gibt es Wege aus der Rentenproblematik?

Seit Jahren werden Stimmen laut die fragen, ob nicht ausschließlich der Staat sich um die Belange der Alten kümmern sollte, damit die Jungen nicht belastet werden? Manche fragen, in jüngster Zeit auch Philosophinnen und Philosophen, ob die Jungen überhaupt für die Alten sorgen müssen, wie es der Generationenvertrag vorsieht. Ob es nicht vielmehr die Aufgabe jedes Einzelnen ist, für sein Alter vorzusorgen. Das sind nicht nur finanzielle, sondern auch moralische und emotionale Fragen.

 

Was die finanzielle Situation der Alten in der Zukunft betrifft, ist möglicherweise der Vorschlag des Ifo-Instituts ein gangbarer Weg. Ökonomen des Instituts haben im April 2019 die Einrichtung eines Bürgerfonds vorgeschlagen, um die Altersvorsorge zu stärken. Das Vermögen dieses Fonds – vom Staat mit 0,5 % des Bruttoinlandprodukts (BIP) finanziert – solle international in Aktien, Immobilien und Anleihen angelegt werden, so die Empfehlung. Die Überschüsse (Renditen) sollen dazu verwendet werden, jüngeren Jahrgängen beim Erreichen des Rentenalters eine Kapitalleistung, analog zu einer Lebensversicherung, auszuzahlen.

Von einem solchen Bürgerfonds würden besonders Geringverdiener profitieren, da die Bürger selber, um Vermögen aufzubauen, keine zusätzlichen Einzahlungen aus ihrem Einkommen leisten müssten, so Clemens Fuest, Präsident des Instituts. Ähnliches gibt es in Norwegen seit vielen Jahren als gut laufenden Staatsfonds, dort Pensionsfonds genannt, der die Renten des Landes sichert.

Ein anderer Vorschlag kommt vom Verband der Verbraucherzentralen (VZBV). Er fordert die sogenannte Extrarente. Ein neues staatlich organisiertes Konzept zur privaten Altersvorsorge: Arbeitnehmer zahlen freiwillig mindestens vier Prozent ihres Bruttoeinkommens über ihren Arbeitgeber in die eigene Altersvorsorge ein. Selbstständige können dies auf Wunsch ebenfalls, so das Konzept. Wenn ein Sparer, bevor er ins Rentenalter kommt, 45 Jahre lang monatlich 100 Euro eingezahlt hat, würde er, nach Berechnungen der Verbraucherzentrale, eine monatliche Extrarente von 675 Euro erhalten.

 

Zu Bedenken ist allerdings, dass, selbst wenn sich langfristige Anlagen in Aktienfonds in der Vergangenheit bewährt haben, eine Rendite nicht garantiert werden kann und das Risiko letztendlich beim Anleger, sprich Sparer und zukünftigen Rentner, verbleibt. Außerdem würde ein solcher Vorschlag nur dann Sinn machen, wenn die Verwaltungskosten und Abschlussprovisionen gering wären. Dies wäre bei einer Abwicklung über die Versicherungswirtschaft sicher nicht der Fall, vermute ich. Es ist bei diesem Vorschlag derzeit noch unklar, wie eine kostengünstige Abwicklung erfolgen könnte.

Warum also nicht gleich selber einen kostengünstigen Wertpapier-Sparplan, auch als Aktien-Indexfond (ETF) bekannt, abschließen, in den man monatlich, nach eigenem Ermessen und den jeweiligen finanziellen Möglichkeiten, einen bestimmten Betrag einzahlt. Das Depot verwaltet man selber, was nichts anderes bedeutet, als ab und an einen Blick auf die Wertentwicklung zu werfen. Die Anlage in einen Fonds verteilt das Risiko und ist flexibel. Der monatliche investierte Betrag kann jederzeit nach oben oder unten verändert und im Notfall auch ausgezahlt werden.

Die Anlage in einen Fond sollte mindestens zehn oder besser noch 15 Jahre erfolgen, damit zwischenzeitliche Verluste ausgeglichen werden können, so Experten. Aktien-Indexfonds haben in der Vergangenheit eine durchschnittliche Steigerung von rund sieben Prozent jedes Jahr erbracht, was nichts anderes heißt als dass sich das eingezahlte Kapital in circa 13 Jahren mindestens verdoppelt hat.

Fest steht jedenfalls, dass ohne Umsteuerung des Systems der Altersvorsorge immer weniger Menschen im Alter von ihrer Rente werden leben können. Um dies zu verhindern oder zumindest erträglicher zu gestalten, wird in der Gesellschaft und inzwischen auch in den Parteien über ein staatliches Grundeinkommen diskutiert (nicht zu verwechseln mit der Grundrente), das auch für die Bezieherinnen und Bezieher von Renten eingeführt werden könnte. Wie auch immer dies am Ende aussehen mag und wie es finanziert werden wird, ein staatliches Grundeinkommen scheint ebenfalls eine mögliche Lösung für ein existenzsicherndes Finanzierungsmodell der Zukunft zu sein.

 

 


 

Historischer Blick auf das Alter und die Endlichkeit

 

Ein Blick in die Vergangenheit, der Gang durch die Geschichte und die Erzählung darüber, wie Menschen früher gelebt haben, welche Ansichten und Meinungen sie zu bestimmten Themen hatten, kann helfen, bestimmte Entwicklungen im Verlauf der Menschheitsgeschichte der letzten 2500 Jahre besser zu verstehen.

Dazu ist eine Sichtung der (zahllosen) schriftlichen Zeugnisse erforderlich, die ich nur in einem sehr engen Rahmen und, aus der Sicht eines Historikers, völlig unwissenschaftlich vornehmen konnte. Deshalb ist der Blick auch als Überblick zu verstehen und beginnt, wie üblich, mit der Antike.

  

Antike

Der Altersdiskurs, der Dialog und damit die Ansichten, Meinungen und Paradigmen über das Alter und die Endlichkeit werden bereits in den klassischen Texten beschrieben. Schon dort ist er ein vorwiegend moral-philosophischer Diskurs, in dem es um die richtige Einstellung zum Leben und zum Tod, zum Alter und um die Bewältigung der Endlichkeit geht.

Auch die Erwartungen und Verpflichtungen der älteren Mitbürger sowie der Umgang der Jüngeren mit den Alten werden damals bereits verhandelt. Am Beispiel der Stadtstaaten Athen und Sparta werden völlig unterschiedliche Sichtweisen deutlich, worauf ich später eingehen werde.

Das Ansehen älterer Menschen korrelierte jedenfalls auch damals schon damit, wie sie von den Jüngeren behandelt wurden und wie sie in den Familien und der Gesellschaft integriert waren.

 

Alte Menschen, ihre Lebensumstände, werden in den Schriften der Antike eher selten dargestellt. Bei archäologischen Funden aus dieser Zeit bilden die Hinterlassenschaften und Beschreibungen der Alten eher eine Ausnahme und werden nur gelegentlich ans Tageslicht gefördert.

Heute noch erhaltene Statuen präsentieren vor allem jugendliche, schöne Menschen mit idealen Körperformen, und nur wenige Exponate zeigen alte Menschen mit den Zeichen des Alters.

Wer im antiken Rom alt wurde, war meist wohlhabend. Er war entweder Mitglied im Senat oder ging seinen liebgewordenen Tätigkeiten nach. Der Rest der Alten verbrachte die Zeit vorwiegend damit, auf ihren Tod zu warten.

Ein hohes Alter war damals jedenfalls kein Vergnügen, wenn man nicht gerade reich war. Alte Menschen wurden an den Rand gedrängt oder aus dem Gemeinwesen ausgeschlossen; sie waren materiell nicht abgesichert und wurden häufig verächtlich behandelt. Auf den ältere Menschen wurde keine Rücksicht genommen; Alter war kein Thema, mit dem man sich in besonderer Weise beschäftigte. Nur in Sparta war das anders.

Das Alter wird in allen uns erhaltenen schriftlichen Darstellungen beklagt; selten wird der Versuch gemacht, die Alten zu loben oder zu trösten. Bereits in der Antike gab es als vorurteilbehaftete Stereotype die Altersschelte und das Alterslob – letzteres auch als Alterstrost verstanden –, die ihre gesellschaftliche Wirkung hatten und worüber im Folgenden berichtet werden soll.

 

 

Aktueller Diskurs

Wünsche und gleichzeitig auch ethische Forderungen der Jungen an die Alten sind, dass sie milde, gütig und nachsichtig sein mögen. Vor allem aber die Fähigkeit des Geltenlassens und des Kompromisses werden erwartet, neben der Weisheit der Selbstbescheidung, des Verzichts und des Rückzugs aus Machtpositionen. Ein Rückzug kann übrigens auch ein Gewinn sein. Man verliert zwar etwas aber gleichzeitig gewinnt man anderes. Das kann Zeit fürs Lesen, für Musik, für Spaziergänge, für Reisen, für die Enkelkinder und vieles mehr sein.

Nicht nur die Wünsche und Erwartungen seitens der Jungen an die Senioren sind komplex, auch die Anforderungen der Gesellschaft an die Älteren sind hoch. So fordert die Sachverständigenkommission des Deutschen Zentrums für Altersfragen[19], dass Bildung und Weiterbildung für alle Lebensphasen selbstverständlich werden müsse. Bildungsträger müssten älteren Menschen Angebote machen, um z.B. deren Medienkompetenzen zu fördern, sich mit neuen Medien vertraut zu machen und sich mit der digitalen Welt auseinanderzusetzen.

 

 

Am Lebensalltag weiter teilnehmen

Das Stichwort ist Teilhabe, womit die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gefundene Definition des Einbezogenseins in eine Lebenssituation gemeint ist. Mit Lebenssituation sind auch das Alter und seine zu erwartenden Behinderungen angesprochen.

Gerhard NAEGELE u.a. formulieren dies in den Dortmunder Beiträgen zur Sozialforschung mit dem Titel Teilhabe im Alter gestalten. Aktuelle Themen der Sozialen Gerontologie wie folgt: »Kennzeichnend für demokratische Gesellschaften ist, dass allen Menschen, unabhängig von ihrem Alter, grundsätzlich ein Recht auf Teilhabe am sozialen, politischen, ökonomischen und kulturellen Leben zusteht. Ausgehend von diesem mehrdimensionalen Begriffsverständnis stellt die Ermöglichung von Teilhabe in verschiedenen Lebensbereichen eine Gestaltungsaufgabe dar:

-         Ökonomische Teilhabe: Beteiligung am Arbeitsleben, Verfügbarkeit finanzieller Mittel und Entscheidungen zu ihrer Verwendung;

-         Politische Teilhabe: Teilhabe der BürgerInnen an öffentlichen Entscheidungsprozessen im Gemeinwesen, einschließlich Möglichkeiten der Einflussnahme, Mitbestimmung und (in-)direkten Mitwirkung an lebenswelt-bezogenen Entscheidungen;

-         Kulturelle Teilhabe: Teilhabe am kulturellen Leben und den dafür grundlegenden Bildungsprozessen sowie

-         Soziale Teilhabe: informelles und persönliches Eingebundensein in primären Netzwerken, vor allem Familie und Freundeskreis sowie in soziale Aktivitäten in der Gesellschaft.« [20]

 

Eine erhöhte Präsenz im Sinne der politischen und kulturellen Teilhabe zeigt sich zum Bespiel in der zunehmenden Mitgliedschaft Älterer in politischen Parteien, Verbänden, Interessenvertretungen oder ihrer Beteiligung an neuen Formen der Bürgerbewegung, so der Autor.

Ein zentrales Anliegen der sozialgerontologischen Forschung ist, die Teilhabemöglichkeiten im Alter zu verbessern und Strukturen und Instrumente zu entwickeln, die Älteren mehr Beteiligungsmöglichkeiten eröffnen als das heute der Fall ist.

 

Neue Möglichkeiten eröffnen sich

Der im August 2020 veröffentlichte Achte Altersbericht der Bundesregierung mit dem Thema Ältere Menschen und Digitalisierung beschäftigt sich mit den digitalen Technologien, die heute alle Lebensbereiche durchdringen und somit das Leben älterer ebenso wie das der jüngeren Menschen beeinflussen.

Vor allem die Chancen der digitalen Technologien für ältere Menschen werden betont: die Möglichkeiten der Stimulation und Aktivierung, der Erhaltung und Erweiterung von Interessen und sozialen Netzwerken sowie ganz generell der Teilhabe im Alter. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass umfangreiche empirische Untersuchungen erforderlich sein werden, um die Potentiale der digitalen Technologien noch besser einschätzen zu können.

Digitale Medien bieten vielfältige Möglichkeiten der Information und Teilhabe. Jeder Zweite der 65- bis 85-Jährigen nutzt inzwischen das Internet, von den 65- bis 74-Jährigen bereits zwei Drittel und bei den 75- bis 85-Jährigen ein Drittel.

Besonders stark unterscheidet sich die Nutzung des Internets in den sozialen Milieus: Während gerade einmal 23 Prozent der 65- bis 85-Jährigen aus den unteren sozialen Schichten (Einkommensarme) online aktiv sind, sind es bei den Gleichaltrigen aus der Oberschicht (Einkommensreiche) mehr als 80 Prozent.[21]

Erwartet wird, dass mehr als 90 Prozent der Alten in Zukunft Nachrichten auf dem Tablet lesen, ihre Bankangelegenheiten am Rechner erledigen, E-Mails schreiben und erhalten sowie Messengerdienste für den schnellen Informationsaustausch per Smartphone nutzen oder per Video-Telefonie mit ihren Lieben über weite Strecken kommunizieren werden. Gerade digitale Innovationen können die Selbstständigkeit und damit die Lebensqualität alter Menschen sehr unterstützen und dazu beitragen, noch lange aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Es gibt bereits Angebote für ältere Patienten mit eingeschränkter Mobilität, den persönlichen Arztbesuch durch eine Video-Sprechstunde zu ersetzen. Das bietet sich besonders in ländlichen Regionen an, wo die nächste Praxis kilometerweit entfernt sein kann.

Intelligente Medikamentenboxen sorgen jedenfalls heute bereits dafür, dass die Medikamente nicht mehr vergessen und falsche Dosierungen vermieden werden. Nicht zu vergessen die bereits erwähnten Armbanduhren: Kleinstcomputer (Wearables), die Körperfunktionen wie Herzfrequenz und Blutdruck messen, Schritte und die verbrauchten Kalorien zählen.

Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Kapazität des alternden Gedächtnisses, die Aufmerksamkeit und die Verarbeitungsgeschwindigkeit und somit das Interesse an der Nutzung digitaler Medien, im höheren Alter nachlässt. Deshalb sollten Familienangehörige und die Mitarbeiter der Alten- und Pflegeeinrichtungen Anleitung und Unterstützung geben. Denn die Partizipation am gesellschaftlichen Leben, soziale Kontakte und das Gefühl, noch gebraucht zu werden, sind gerade für Ältere entscheidend für ein auch in dieser Lebensphase gutes und erfülltes Leben.

Deshalb gehört zum Älterwerden und Altsein die Bereitschaft, sich aktiv mit den neuen Medien auseinanderzusetzen. Man muss sich Wissen und Kompetenzen im Umgang mit neuen Technologien aneignen, um die hilfreichen und positiven Seiten der digitalen Medien nutzen zu können.

Vor allem soziale Kontakte innerhalb und außerhalb der eigenen Familie sind im Alter essenziell.

Die Generali Altersstudie 2017 ergab, dass drei Viertel der 65- bis 85-Jährigen das Zusammensein mit anderen schätzen und gerne unter Menschen sind. 73 Prozent dieser Altersgruppe haben Kinder und Enkelkinder, davon sehen 25 Prozent ihre Kinder täglich oder fast täglich und weitere 29 Prozent mindestens einmal pro Woche.

Zwei Drittel der 65- bis 85-Jährigen leben mit einem Partner oder einer Partnerin zusammen und 70 Prozent haben zudem einen festen Freundes- und Bekanntenkreis, mit dem sie sich regelmäßig treffen. Dass es niemanden gibt, an den man sich in einer schwierigen Lage wenden kann, sagt nur einer von Hundert der heute 65- bis 85-Jährigen. [22]

Wie alle Menschen sind beso9püo0inders Ältere auf Beziehungen angewiesen. Sie wollen einbezogen, anerkannt, geschätzt und als Person gemocht werden – nicht für das, was sie haben, sondern für das, was sie sind.

 

 

Älterwerden beschäftigt jeden

 

Jeden Tag, jede Stunde, in jedem winzigen Moment werden wir älter. So auch jetzt, während Sie diese Zeilen lesen, und das wird auch in Zukunft so sein.

Wie gehen Sie mit Ihrem Älterwerden und Altsein um? Wie wollen Sie, auch als älterer Mensch, noch am Alltag und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen?

Älterwerden kann einerseits Ruhestand im wahrsten Sinne des Wortes heißen – nicht nur beruflich, wie es üblicherweise verstanden wird – oder anderseits Teilhabe: ein Sich-Einbringen, sein Wissen, seine fachlichen und persönlichen Kenntnisse und Erfahrungen zur Verfügung stellen, sei es im privaten Umfeld oder im gesellschaftlichen.

Man kann in jedem Alter sein Leben aktiv und selbstbestimmt gestalten, man kann mitreden und mitentscheiden. Der persönliche Nutzen ist, dass man selber noch Aufgaben und Verantwortungen haben kann, die dem eigenen Dasein Sinn geben können. Nicht nur für sich selber, sondern auch für die jüngere Generation.

In diesem Kapitel soll es jedoch nicht nur um die Verantwortung der älteren für die jüngere, sondern auch die der jüngeren für die ältere Generation gehen.

 

Generativität

Sich mit dem Wohlergehen zukünftiger Generationen zu beschäftigen wird mit Generativität bezeichnet. Dabei geht es um das soziale Engagement, die Sorge und Fürsorge einerseits der älteren gegenüber der jüngeren und andererseits der jüngeren für die ältere Generation. Kern ist die individuelle und kollektive Verantwortung für das Wohl der Mitmenschen einer anderen Generation und somit für die Gesellschaft.

Die Gerontologie als Wissenschaft vom Altern hat das Konzept der Generativität auf die Lebensphase Alter und hohes Alter ausgeweitet und unterscheidet vier Inhaltsbereiche der Generativität:

-         Zur familial-verwandtschaftlichen Generativität gehören in der nachelterlichen Lebensphase u. a. Akzeptanz der eigenen Kinder als Erwachsene, Unterstützungsleistungen für erwachsene Kinder oder Enkel sowie die Regelung von Nachfolge- und Erbfragen.

-         Pädagogische Generativität. Ältere Menschen sind Träger und Vermittler von kulturellen Traditionen, z. B. als Mentoren.

-         Historisch-soziale Generativität. Dazu gehören aktives Engagement zugunsten jüngerer Menschen, etwa im Ehrenamt, eine positive Auseinandersetzung mit den Werthaltungen und Lebensformen der nachkommenden Generationen sowie die Übergabe von Verantwortung an Jüngere.

-         Wohlfahrtsstaatliche Generativität. Ältere unterstützen die gesellschaftlichen Interessen der nachfolgenden Generationen, zum Beispiel eine nachhaltige ökologische Entwicklung. Generativität schließt die Fixierung auf die Interessen der eigenen Altersgruppe (Rentner) aus.

-         Generativität wird als bedeutsam bis zum Lebensende angesehen.[23]

  

Das Alter gestalten

Menschen brauchen Aufgaben und Tätigkeiten, denn genau die tun ihnen gut. Das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, zu nichts mehr nütze zu sein, keine Aufgaben mehr zu haben, führt zu Missstimmung, manchmal zu Langeweile und bei einigen direkt in die Altersdepression. Vor allem gleich nach dem Ende des Berufslebens kann das passieren. Im Alter aktiv bleiben und für andere etwas tun, sie zu unterstützen, gibt dem Selbst In-Halt, führt zu sozialer Anerkennung und dient der eigenen Psychohygiene.

Bei der Verwirklichung dieser Überlegungen sollte es nicht um materiell-ökonomische Inanspruchnahme der Leistungsfähigkeit älterer Menschen gehen, sondern um das freiwillige Einbringen der Erfahrungen und Kenntnisse, die ältere Menschen im Laufe eines langen Lebens gesammelt haben. Denn das Wesen des Alters ist, neben der Reflexion und Vertiefung einer Lebensgeschichte, auch am gesellschaftlichen Leben im Rahmen der noch gegebenen Möglichkeiten teilzunehmen und sich nützlich zu machen.

In anderen Kulturen werden die Alten wegen ihrer Erfahrungen und Kenntnisse hochgeschätzt. Sie nehmen, so lange es ihnen möglich ist, ganz selbstverständlich am gesellschaftlichen Leben teil.

 

Auch bei uns ist es noch nicht allzu lange her, dass die Alten ihre Erfahrungen und ihr Wissen an die Jungen weitergaben. Ob es nun die Handwerksmeister oder die Bauern waren, die die nachfolgende Generation in der beruflichen Theorie und Praxis anleiteten oder in der Familie die Mutter, die ihren Töchtern das Kochen, Stricken und Nähen beibrachte. Diese Tradition ist weitestgehend verloren gegangen.

Das hat Nachteile: Wer von den Jüngeren hat in seiner Jugend zu Hause noch Kochen gelernt, wer kann überhaupt kochen? Viele ernähren sich deshalb von Fast Food oder kaufen Fertiggerichte. Fast die Hälfte der Deutschen kocht nur selten. Nur noch ein Drittel regelmäßig, sagen die Statistiken.

Die bis Ende des vergangenen Jahrhunderts geltende Tradition und Praxis, dass die Alten den Jungen ihre Kenntnisse und Erfahrungen weitergaben, hat heute kaum noch Gültigkeit. Wenn jemand eine Frage hat, kann er sie in eine Suchmaschine eingegeben und in Bruchteilen von Sekunden erhält er tausendfach Antworten von unterschiedlichen Autoren. Da muss man niemanden mehr fragen oder in einem Lexikon nachschlagen. Es sei denn, man legt Wert auf den persönlichen Austausch und die Erfahrung und Kenntnisse eines bestimmten Menschen.

 

Philosophie der Endlichkeit

 

In der Tradition der Philosophie werden Leben und Tod in all ihren Dimensionen behandelt. Vor allem die Angst vor der Endlichkeit und die Ungewissheit, was danach kommen könnte, wenn es ein danach gäbe, haben Menschen immer schon beunruhigt und häufig gequält. Sie waren für Philosophinnen und Philosophen Anlass, über sich selbst und die eigene Existenz nachzudenken. Daraus entwickelte sich die Thanatologie, die Lehre vom Tode.

Im Zentrum der philosophischen Auseinandersetzung finden sich vier Fragen, die aufeinander aufbauen. Die Beantwortung der einen ist jeweils Voraussetzung für die Beantwortung der nächstfolgenden Frage:

1.       Was ist der Tod?

2.       Ist der Tod ein Gut oder ein Übel oder keines von beiden?

3.       Ist es vernünftig, den eigenen Tod zu fürchten?

4.       Wie soll ich mich vernünftigerweise zu meinem eigenen bevorstehenden Tod verhalten?[27]

 

Was ist der Tod?

Die Antwort lautet: Der Tod ist das endgültige Ende des körperlichen Lebens. Es ist der Moment, in dem das Herz nicht mehr schläft und das Gehirn aufhört zu arbeiten.

Darüber waren sich Religiöse wie Nichtreligiöse immer einig. Deshalb wurde die Unumkehrbarkeit des Todes von Philosophen – einmal abgesehen von den christlichen Philosophen im Mittelalter – nie bezweifelt.

Ob allerdings das Leben eines Menschen mit seinem Tod vollständig oder nur teilweise endet, war und ist philosophisch nach wie vor umstritten. Héctor WITTWER schreibt in seinen philosophischen Texten über den Tod, seit der Antike hätten zwei konträre Positionen gegenüber gestanden: die dualistische und die monistische Anthropologie, beide kurz Dualismus und Monismus genannt. Der dualistischen Anthropologie zufolge sei der Mensch eine Verbindung aus zwei Substanzen, dem menschlichen Organismus und einer immateriellen Substanz, die meist Seele genannt wird. Der Körper würde nach dem Tod in seine Bestandteile zerfallen, die Seele jedoch weiter existieren [Vertreter dieser Auffassung war u.a. Platon, wie ich im Kapitel Sokrates über das Alter, das Sterben und die Seele beschrieben habe].

Der Grundgedanke der monistischen Anthropologie besage hingegen, dass alle Eigenschaften des Menschen einschließlich seiner geistigen, seelischen und emotionalen Fähigkeiten Merkmale einer einzigen Substanz sind, nämlich der Substanz des menschlichen Organismus. Aus diesen Voraussetzungen folgt, dass das Leben des Menschen mit dem endgültigen Ausfall der körperlichen Funktionen vollständig endet. In der Gegenwart gehen die meisten Philosophen ausdrücklich von dieser monistischen Voraussetzung aus, so Wittwer.

 

Anmerkung: Die Anhänger der dualistischen Auffassung vom Tod bestreiten, dass das Leben mit dem Tod vollständig endet. Sie sind der Ansicht, nur der Körper sterbe, während Seele oder Geist weiterleben. Wer ist also tot, wenn der Körper nicht mehr lebt? Der Mensch oder nur sein Körper? Über diese Frage wird seit ewigen Zeiten gestritten.

Ist der Tod für mich wirklich begreifbar, frage ich mich? Kann ich wissen, ob er das wirkliche Ende meines Lebens ist? Nein, denn niemand kann sicher sein, ob nicht vielleicht doch etwas nach seinem Tod stattfindet oder folgt. Deshalb fällt es auch so schwer zu begreifen, was der Tod ist. Er ist und bleibt wohl eine Angelegenheit des Glaubens und nicht des Wissens.

 

Ist der Tod ein Gut oder ein Übel oder keines von beiden?

Die meisten Menschen und auch Philosophen gehen davon aus, dass es schlecht ist zu sterben, weil der Tod die Möglichkeit nimmt, das Leben weiterhin zu genießen.

Aber auch die These, dass der Tod gut sei, weil der Verstorbene nicht mehr in der Zeit gelebt habe, in der die Übel die Güter überwogen hatten, wurde in der Philosophie vertreten und ist heute ebenfalls zu hören in der Formulierung: Ihm ist viel erspart geblieben, der Tod hat ihn erlöst.

 

Der hellenistische Philosoph Epikur vertrat die Auffassung, dass der Tod eines Menschen für diesen selbst weder gut noch schlecht sei. Denn nur dasjenige könne für einen Menschen gut oder schlecht sein, was er selbst erleben kann. Niemand erlebe aber seinen eigenen Tod. Folglich könne der Tod eines Menschen für ihn selbst weder gut noch schlecht sein, so seine Argumentation.

 

Ist es vernünftig, den Tod zu fürchten?

In der dritten Frage ist bereits enthalten, dass die Furcht vor dem Tod sowohl rational als auch irrational sein kann. Rational dann, wenn eine konkrete Bedrohung vorliegt, wie etwa vor einer riskanten Operation oder anlässlich eines schweren Verkehrsunfalls. Irrational und belastend dann, wenn ein Mensch (immer wieder) daran denkt, dass er eines Tages sterben wird und ihn die Furcht und das Grauen vor dieser Tatsache nicht mehr schlafen lässt.

Nur wenn man davon ausgeht, dass der Tod ein Übel ist, wäre die Furcht vor ihm angemessen, könnte man sagen. Wenn man jedoch davon ausgeht, dass der Tod nichts Schlechtes und somit kein Übel ist, oder wie Epikur ihn weder für gut noch für schlecht hält, kann man eine irrationale Furcht vor dem Tod verlieren.

Diese dritte Frage hängt unmittelbar mit der zweiten Frage zusammen.

 

Wie sich zur eigenen Vergänglichkeit verhalten?

Bei der letzten Frage geht es auch darum, ob man das Sterben lernen kann, wie Michel de Montaigne gefragt hatte. Er empfahl, dass wir uns an den Gedanken unserer Endlichkeit gewöhnen, um die Furcht vor dem Tod zu mindern. Diese Empfehlung hatte bereits SENECA seinem Schüler und Freund Lucilius gegeben.

Aber kann man das Sterben lernen wie man zum Beispiel Autofahren oder eine Fremdsprache lernt, nämlich vor allem durch Übung? Wir sterben nur einmal, deshalb ist ein Üben ohnehin unmöglich. Das ist mit dem Sterben lernen auch nicht gemeint. Es geht Montaigne und anderen um das sich vertraut machen, die Gewöhnung an den Gedanken, eines Tages sterben zu müssen.

 

Das lateinische Memento Mori, (übersetzt mit Sei Dir der Sterblichkeit bewusst oder Bedenke, Du musst sterben), um 1070 verfasst, ist wohl die bekannteste literarische und philosophische Metapher, die uns an unsere Vergänglichkeit erinnern und uns dabei helfen soll, moralisch richtig zu leben und den Gedanken an den eigenen Tod nicht auszuweichen.

Das sah Spinoza (1632 – 1677) übrigens völlig anders. Er empfahl, wir sollten keinen Gedanken an den Tod verschwenden, sondern uns auf das Leben konzentrieren: »Der freie Mensch denkt an nichts weniger als an den Tod, und seine Weisheit ist nicht ein Nachsinnen über den Tod, sondern über das Leben.«

 

Da die Auffassungen über den Tod und unsere Endlichkeit sehr unterschiedlich sind, schauen wir uns im Folgenden an, wie einige bedeutende Philosophinnen und Philosophen in den Epochen von der Antike bis zur Moderne darüber gedacht und sich geäußert haben. Wie sie mit dem Älterwerden und vor allem dem Sterbenmüssen umgegangen sind und beginnen mit Platon und seinem Lehrer Sokrates.

 

 

Ausgewählte Denkerinnen und Denker über unsere Endlichkeit

Die aufgeführten Philosophen von der Antike bis in die Neuzeit beschäftigen sich mit dem Älterwerden, Altsein und dem Tod, wie es Philosophinnen und Philosophen immer schon getan haben. Die kurze Darstellung ihrer Sichtweisen, vorwiegend in Zitaten aus deren Werken, kann im Rahmen dieses Buches nur eine Auswahl sein.

Pierre Hadot (1922 – 2010), französischer Philosoph und Historiker, beschreibt in seinem erhellenden Buch Wege zur Weisheit oder Was lehrt uns die antike Philosophie? sehr eindrücklich, was die Philosophie einst war: eine geistige Übung, die aufs engste mit dem Leben verschränkt ist. Dies gilt nicht nur für die Schulen der antiken Philosophie: »Genaugenommen korrespondiert eine Philosophenschule vor allem mit der Wahl, auf eine bestimmte Art zu leben, mit einer Lebenswahl, einer existenziellen Entscheidung, die vom Individuum einen vollständigen Wandel des Lebens, eine Konversion des ganzen Seins erfordert, und schließlich mit dem Begehren, auf eine bestimmte Art zu sein und zu leben.«[28]

Einen besonderen Raum nimmt dabei die Sichtweise des Sokrates auf die Endlichkeit ein, die von Platon dargelegt worden ist.

 

 

  

 

Die Angst vor dem Tod aus psychologischer Sicht

 

Bereits im Vorschulalter wird Kindern bewusst, dass nicht nur Tiere, sondern auch Menschen sterben müssen. Diese Erkenntnis löst erste Fragen über das Sterben und den Tod aus und je nachdem, welche Antworten das Kind erhält, können diffuse Ängste bei ihm aufkommen. Wenn nicht bereits jetzt, dann später wird ihm bewusst, dass es selber eines Tages sterben wird.

Diese Einsicht führt schon in ganz jungen Jahren nicht nur zu Fragen, ob alle Menschen sterben müssen, sondern auch die nach einem möglichen Weiterleben nach dem Tod und der Unsterblichkeit.

Dem Kind wird erstmals klar, dass es von den Erwachsenen keine eindeutigen Antworten auf seine Fragen erhält. Die einen sagen ihm, es sei noch zu jung, um sich mit solchen Dingen zu beschäftigen, man werde es ihm später einmal erklären. Andere sagen ihm, es gebe kein Weiterleben nach dem Tod; es würde, wenn es gestorben sei, nicht mehr leben. Andere antworten wiederum, es werde in einem wie auch immer gearteten übernatürlichen Zustand weiter existent sein: im Paradies, im Himmel oder in der Hölle.

 

 

Umgang mit Ängsten

Die Ungewissheit über den Zeitpunkt des eigenen Lebensendes wiegt uns einerseits in der Illusion, irgendwann, jedenfalls in weiter Zukunft, zu sterben. Andererseits scheint sie ein wesentlicher Grund dafür zu sein, dass ein menschliches Leben überhaupt realisierbar und auszuhalten ist. Denn wenn wir unsere Todesstunde kennen würden, würden wir uns anders verhalten – wir würden vermutlich depressiv, verzweifelt oder gar irrewerden.

 

Woher kommt überhaupt Angst und wozu dient sie? Evolutionsgeschichtlich ist sie ein Schutz- und Überlebensmechanismus zum Erhalt der eigenen Unversehrtheit und wird als ein Symptom von Stress erklärt. Das absolute Gegenteil von Unversehrtheit ist im schlimmsten Fall der Tod. Für diese Situation hat sich der Begriff der Todesangst gebildet, eine vermutlich nicht mehr steigerungsfähige Qual.

Angst hängt vor allem von den negativen Erfahrungen ab, die der Einzelne, oftmals in seiner Kindheit, gemacht hat. Dazu gehören auch Erfahrungen mit dem Tod eines Haustiers oder eines nahen Angehörigen.

Aber auch die täglichen Nachrichten über Kriege und Naturkatastrophen, die weltweit abertausend Toten der Corona-Pandemie 2020 oder die der nahezu täglich gesendeten TV-Kriminalfilme, die im Laufe eines Lebens konsumiert werden, beeinflussen die Einstellungen und Vorstellungen, Meinungen und eben auch die Sicht auf Sterbenmüssen und Tod. Deshalb ist eine Art Tabuisierung, ein nur indirektes Ansprechen oder ein Verschweigen – man könnte es, psychoanalytisch verstanden, eine Verdrängung als Abwehr des Bedrohlichen nennen

 

 

Mein persönliches Fazit

 

Wenn Älterwerden und Altsein einigermaßen attraktiv und erträglich sein und bleiben sollen, kann ich selber etwas dafür tun. Ich kann meinen Lebensweg bis zum Ende weitestgehend gestalten oder zumindest mitgestalten. Deshalb wäre es sinnvoll beizeiten darüber nachzudenken, wie man auch noch im Alter ein gutes Leben realisieren kann. Das machen jedoch die wenigsten – mit der privaten Altersvorsorge sollte man rechtzeitig beginnen.

Wenn ich darüber nachdenke, wie meine Kinder und Enkelkinder und all die anderen heute noch Jungen und Mittelalten ihr Älterwerden und Altsein bewältigen sollen angesichts der absehbaren finanziellen Probleme in der Altersversorgung und Pflege befürchte ich, dass bei vielen das Alter von Armut bestimmt sein wird. Ich frage mich, ob die politischen Entscheider den Ernst der Lage, was Rente und Pflege betrifft, erkannt haben. Bisher wirken sie ziemlich ratlos.

Deshalb brauchen wir unbedingt den Dialog zwischen den Generationen und nicht einen Macht- und Verteilungskampf. Jeder muss sich darauf verlassen



Ausgewählte Literatur

Achenbach, Gerd B.: Lebenskönnerschaft, Herder, 2001

Adler, Alfred: Über den nervösen Charakter, Fischer, 1988

Akashe-Böhme und Gernot Böhme: Mit der Krankheit leben. Von der Kunst, mit Schmerz und Leid umzugehen, beck‘sche reihe 2005

Améry, Jean: Über das Altern. Revolte und Resignation, Klett-Cotta 1979

Aristoteles: Rhetorik, Reclam 1999

Aurel, Marc: Selbstbetrachtungen, Insel 1995

Bäcker, Gerhard: Altersarmut, Lebensstandardsicherung und Rentenniveau; in Dortmunder Beiträge zur Sozialforschung: Teilhabe im Alter gestalten, Springer VS, 2015, S. 63

Baltes, Paul B.: Alter(n) als Balanceakt: Im Schnittpunkt von Fortschritt und Würde, in Zukunft des Alterns. Die Antwort der Wissenschaft, C.H.Beck, 2007, S. 19

Baltrusch, Ernst in: Andreas Gutsfeld, Winfried Schmitz (Hg.): Am schlimmen Rand des Lebens? Altersbilder in der Antike, Böhlau Verlag, 2003, S.64, S. 70

Bauer, Joachim: Prinzip Menschlichkeit, Hoffmann und Campe 2006

Beauvoir, Simone de: Das Alter, Rowohlt 2008

Becker, Ernest: Die Überwindung der Todesfurcht, Walter-Verlag AG, 1976, S. 389

Berlejung, Angelika und Bretschneider, Joachim: Tod in Mesopotamien, Spektrum der Wissenschaft, 2003

Birkenstock, Eva: Angst vor dem Altern?, Alber 2008

Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung, Suhrkamp 1959

Blume-Jung, Clarissa, Buchwitz, Wolfram (Hg.): Alter und Gesellschaft, Schöningh 2016

Blumenberg, Hans: Lebenszeit und Weltzeit, Suhrkamp Verlag 2001

Bobbio, Noberto: Vom Alter – De senectute, Wagenbach 2004

Boethius: Trost der Philosophie, Beck 2005

Borscheid, Peter: Geschichte des Alters. Vom Spätmittelalter zum 18. Jahrhundert, dtv 1989

Bovenschen, Silvia: Älter werden, Fischer 2008

Brock, Bazon (Hg.): Die Macht des Alters. Strategien der Meisterschaft, Dumont 1998

Camus, Albert: Der Mythos von Sisyphos. Ein Versuch über das Absurde, Rowohlt 1978

Cicero, Markus Tullius: De senectute – Über das Alter, Reclam 1998

Dawidt, Doris: Autonomie am Lebensende – Klärung der Begrifflichkeit als notwendige Voraussetzung praktischen Handelns, Dissertation LMU München 2018

De Lillo, Don: Null K, Kiepenheuer & Witsch 2016

Dimpel, Dominik: In Weisheit altern, Karl Alber 2015

Dyk, Silke van: Soziologie des Alters, transcript 2015

Eitler, Pascal: Gott ist tot – Gott ist rot: Max Horkheimer und die Politisierung der Religion um 1968, Campus, 2009

Elias, Norbert: Über die Einsamkeit der Sterbenden, Suhrkamp 1982

Epiktet: Wege zum glücklichen Handeln, Insel 1992

Epikur: Von der Überwindung der Furcht, Artemis 1968

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Epikur: Philosophie der Freude, Insel 1988

Feuerbach, Ludwig: Die Unsterblichkeitsfrage vom Standpunkt der Anthropologie, Kröner 1921

Flach, Kurt: Nachwort von Boethius‘: Trost der Philosophie, dtv C.H.Beck, 2005

Friedan, Betty: Mythos Alter, Rowohlt 1995

Gawande, Atul: Sterblich sein. Was am Ende wirklich zählt, Fischer 2017

Göckenjan, Gerd: Das Alter würdigen, Suhrkamp 2000

Gronemeyer, Reimer: Die Weisheit der Alten, Herder 2018

Gruss, Peter (Hg.): Die Zukunft des Alterns. Die Antwort der Wissenschaft, C.H. Beck 2007

Hadot, Pierre: Wege zur Weisheit oder Was lehrt uns die antike Philosophie?, Eichborn 1999

Harari, Yuval Noah: Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen, C.H. Beck 2017

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Olesch, Emil: Älter werden und jung bleiben, Olesch

Pasero, Ursula (u.a. Hg.): Altern in Gesellschaft. Ageing – Diversity – Inclusion, VS Verlag für Sozialwissenschaften 2007

Peters, Meinolf: Psychodynamische Psychotherapie mit Älteren, Vandenhoeck & Ruprecht 2017

Platon: Der Staat, Platons Werke von Friedrich Schleiermacher Akademie Verlag Berlin 1985

Platon: Phaidon, Sämtliche Werke, Band I, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1982

Powys, John C.: Die Kunst des Älterwerdens, Zweitausendeins 2005

Radisch, Iris: Die letzten Dinge – Lebensendgespräche, Rowohlt 2015

Rentsch, Thomas und Vollmann, Morris (Hg.): Gutes Leben im Alter. Die philosophischen Grundlagen, Reclam, Stuttgart 2012

Röllig, Wolfgang: Gilgamesch Epos, Reclam 2009

Rosenmayr, Leopold: Schöpferisch Altern. Eine Philosophie des Lebens, LIT Verlag 2007

Roth, Gerhard und Strüber, Nicole: Wie das Gehirn die Seele macht, Klett-Kotta 2014

Scheffler, Samuel: Der Tod und das Leben danach, Suhrkamp 2015

Schirrmacher, Frank: Das Methusalem-Komplott, Blessing 2004

Schmid, Wilhelm: Philosophie der Lebenskunst. Eine Grundlegung, Suhrkamp, 2000

Schmid, Wilhelm: Gelassenheit. Was wir gewinnen, wenn wir älter werden, Insel 2014

Schmid, Wilhelm: Das Leben verstehen, Suhrkamp 2017

Schmitz-Scherzer, Reinhard: Sterben und Tod in Alter und Altern: Ein interdisziplinärer Studientext zur Gerontologie, 1994

Schönfeldt, Sybil Gräfin: Die Jahre, die uns bleiben, Piper 2006

Schopenhauer Arthur: Metaphysik der Sitten, Philosophische Vorlesungen, Teil IV, Piper 1988

Schopenhauer, Arthur: Schopenhauer zum Vergnügen, Reclam 2002

Seneca: De brevitate vitae – Von der Kürze des Lebens, Reclam 2008

Solomon, Greenberg, Pyszczynski, Der Wurm in unserem Herzen. Wie das Wissen um die Sterblichkeit unser Leben beeinflusst, DVA 2016

Staudinger & Dittmann-Kohli: Lebenserfahrung und Lebenssinn in Alter und Altern: Ein interdisziplinärer Studientext zur Gerontologie, 1994

Tolstoi, Leo: Der Tod des Iwan Iljitsch, Anaconda 2008

Tugendhat, Ernst: Über den Tod, Suhrkamp 2006

Vaupel, James W. und von Kistowski, Kristin G.: Die Plastizität menschlicher Lebenserwartung, in Zukunft des Alterns. Die Antwort der Wissenschaft, C.H.Beck, 2007, S. 19

Wahl, Hans-Werner: Die neue Psychologie des Alterns. Überraschende Erkenntnisse über unsere längste Lebensphase, Kösel-Verlag 2017

Welzer, Harald: Selbstdenken – Eine Anleitung zum Widerstand, Fischer 2017

Wetz, Franz Josef: Tot ohne Gott, Alibri 2018

Wisniewski, Roger: LebensLust – Komm, wir suchen Epikurs Garten!, BoD 2018

Wittwer, Héctor (Hsg.): Der Tod. Philosophische Texte von der Antike bis zur Gegenwart, Reclam 2014

Yalom, Irvin D.: Existenzielle Psychotherapie, EHP 2005

Yalom, Irvin D.: In die Sonnen schauen. Wie man die Angst vor dem Tod überwindet, btb 2010

Yalom, Irvin D.: Wie man wird, was man ist. Memoiren eines Psychotherapeuten, btb 2019

Zabern, Wilhelm von: Alter in der Antike, LVR Rheinland 2009


 

Detailliertes Inhaltsverzeichnis

 

Vorbemerkungen                                                   

Älterwerden – gute oder schlechte Jahre?               

Wir sollten uns auf das Alter vorbereiten                             

Zu Buch und Inhalt                                                                

Unerwartet die Corona-Pandemie                                     

Welche Werte können uns in einer Krise tragen?  

            

Wann ist man alt?                                          

Erste Überlegungen zum Älterwerden und Altsein         

Alternsforschung: Gerontologie und Geriatrie                    

Alterslob und Altersschelte früher und heute                    

Meinungen, Vorurteile, Paradigmen                                    

Forever young? – Aging und Anti-Aging                           

Das Kreuz mit dem Älterwerden                                          

Den Lebensstil verändern                                                    

Erste Abschweifung                                                              

Muße statt Beschleunigung und Leistungsdruck    

           

Die Lebensphasen                                               

Kindheit/Jugend                                                                  

Zweite Abschweifung                                                           

Erwachsenenalter                                                                 

Die jungen Alten werden auf dem Arbeitsmarkt gebraucht 

Werden wir in Zukunft erst mit 75 aufs Altenteil gehen?    

Alter und hohes Alter                                                          

Selbständigkeit und Autonomie im Alter                              

Voraussetzungen für ein gutes Leben im Alter   

                 

Rente und Pflege                                                  

Wer soll die Kranken und Alten pflegen?                              

Altersarmut ist ein großes Unglück                                     

Was wird aus der Rente?                                                      

Das 3-Säulen-System funktioniert nicht                              

Erste Säule: Staatliche Rente                                             

Zweite Säule: Betriebsrente                                                  

Dritte Säule: Private Vorsorge                                              

Politikverdrossenheit                                                            

Gibt es Wege aus der Rentenproblematik?                          

Was wird aus der Pflege?                                                      

Die Pflegeversicherung                                                         

Mobile oder stationäre Pflege                                                

Resümee und Ausblick                                                        

Dritte Abschweifung 

                                                             

Historischer Blick auf das Alter und die Endlichkeit       

Antike                                                                                   

Trost der Philosophie                                                            

Die Stellung der Alten im antiken Griechenland                 

Sonderfall Sparta                                                                  

Rom                                                                                       

Mittelalter                                                                              

Frühes Mittelalter                                                                 

Spätes Mittelalter                                                                  

Neuzeit und vorindustrielles Zeitalter                                  

Altersversorgung in der Neuzeit                                           

Das moderne Altersbild                                                        

Weniger ist oftmals mehr                                                     

Aktueller Diskurs                                                                  

Am Lebensalltag weiter teilnehmen                                     

Neue Möglichkeiten eröffnen sich                                        

 

Älterwerden beschäftigt jeden                               

Generativität                                                                         

Das Altersbild der Gesellschaft                                            

Überalterung oder Unterjüngung?                                       

Sorge: Fürsorge und Selbstsorge                                          

Das Alter gestalten                                                                

Zufrieden altern                                                                    

Konzept des »Erfolgreichen Alterns«?                                    

Altern muss neu verhandelt werden                                    

Realität und Vision                                                               

Die Alterung verlangsamen                                                  

Internet der Dinge                                                                 

Cyborgs – Mensch und Maschine                                        

Alternde Zellen auslöschen, die Gene wieder aktivieren     

Kryonik: Konservierung bei Tiefsttemperaturen                   

Bewusstsein auf digitale Medien auslagern                         

Mit dem Ende leben!                                                             

Sterben, Tod; Beerdigungen                                                 

Beerdigungsrituale anderswo                                              

 

Philosophie der Endlichkeit                                 

Was ist der Tod?                                                                    

Ist der Tod ein Gut oder ein Übel oder keines von beiden?  

Ist es vernünftig, den Tod zu fürchten?                               

Wie mich zur eigenen Vergänglichkeit verhalten?               

Ausgewählte DenkerInnen über unsere Endlichkeit          

Platon (428/427 – 348/347 v.u.Z.)                                       

Vierte Abschweifung                                                             

Aristoteles (384 – 322 v.u.Z.)                                                

Epikur (341 – 270 v.u.Z.)                                                      

Cicero (106 – 43 v.u.Z.)                                                         

Seneca (etwa 4 v.u.Z. – 65 n.u.Z.)                                        

Michel de Montaigne (1533 – 1592)                                      

Arthur Schopenhauer (1788 – 1860)                         

Ludwig Feuerbach (1804 – 1872)                                         

Ernst Bloch (1885 – 1977)                                                    

Martin Heidegger (1889 – 1976)                                           

Karl Jaspers (1883 – 1969)                                                  

Norbert Elias (1897 – 1990),                                                 

Noberto Bobbio (1909–2004)                                                 

Odo Marquard (1928 – 2015)                                    

Thomas Nagel (*1937),                                                          

Ernst Tugendhat (*1930),                                                     

Ernest Becker (1924-1974),                                                  

Friederike Mayröcker (*1924),                                              

Resümee                                                                                

 

Die Angst vor dem Tod aus psychologischer Sicht 

Proximale und distale Verteidigung                                     

Unterschied zwischen Angst und Furcht                             

Formen von Angst                                                                 

Umgang mit Ängsten                                                             

Gesundes Selbstwertempfinden und Optimismus helfen   

Beistand in emotionalen Krisen                                           

Psychotherapie und Philosophie                                          

 

Die Kunst, gut zu leben bis zum Schluss              

Hat das Leben einen Sinn, wird etwas von uns bleiben?    

Die Bedeutung sozialer Beziehungen                                  

Grenzsituationen                                                                  

Suizid im Alter                                                                       

Wem gehört das Sterben und wem der Tod?             

Palliativmedizin und Hospizbewegung                                 

Fünfte Abschweifung                                                            

Mein persönliches Fazit                                                        

Dank                                                                                     

Ausgewählte Literatur                                                         

Personenregister                                                                   

Detailliertes Inhaltsverzeichnis