CORONAVIRUS: WELCHE WERTE KÖNNEN UNS IN EINER KRISE TRAGEN?

Die Frage nach dem moralisch Guten kann aus den Folgen (Teleologische Ethik), den Charaktereigenschaften (Tugendethik), den Absichten des Handelnden (Gesinnungsethik), den objektiven moralischen Tatsachen (Deontologische, auch Sollens-Ethik) und der Optimierung, dem Nutzen oder dem Glück der größten Zahl (Utilitaristische Ethik) bestimmt werden.

   Wie soll ich handeln? Das ist aktuell die Frage für jeden Mediziner, wenn sie oder er zu entscheiden hat, ob eine 40- oder die 80-Jährige an das Beatmungsgerät angeschlossen werden soll, wenn nur noch ein Platz auf der Intensivstation zu vergeben ist. Sie oder er muss entscheiden ob es darum geht, möglichst viele Lebensjahre oder möglichst viele Leben zu retten. In diese Situation möchte niemand wirklich kommen und doch gehörte sie in den spanischen und italienischen Kliniken zum Alltag, wie zu lesen ist. Die Patienten der Intensivstationen müssen befürchten, um die Würde des Sterbens gebracht zu werden.

   »Auch der alte Mensch hat ein Anrecht darauf, dass er eine Behandlung bekommt, auch er hat nur ein Leben. Einen Menschen, der älter als 80 Jahre alt ist nicht mehr wegen seines Alters zu beatmen wäre eine Schlechterstellung und somit eine Diskriminierung wegen des Alters und dies wäre mit unseren Grundrechten nicht vereinbar und aus meiner Sicht nicht akzeptabel. Es ist eine Frage der Fairness und der Gerechtigkeit«, so der Mediziner und Philosoph Professor Giovanni Majo in einen 3SAT-Beitrag vom 30.03.20. Es wäre ethisch gesehen ein Fehlschluss, wenn man sagen würde, zuerst sind die Jungen zu retten und dann die Alten, so Majo.

   Und dennoch ist es so, dass wir ständig den Nutzen unseres Handelns abwägen und kalkulieren: Wer bekommt welche Schutzmasken oder Desinfektionsmittel, wie groß ist das gesundheitliche Risiko, wenn Kontaktsperren, Kita-, Schul- und Firmenschließungen wieder aufgehoben werden?

 

   Wie soll ich also handeln? Die erste Frage, die sich stellt: Was ist für mich das moralisch richtige Handeln, was sind für mich die Kriterien für die Bestimmung des moralisch Guten? In der FAZ kommen Mediziner in einem Artikel mit dem Titel Dilemma Triage. Rückhalt für die Ärzte zu dem Schluss: »Wenn irgendetwas uns als Gesellschaft und als Nation das Fell rettet, sowohl gesundheitlich als auch wirtschaftlich und in unserem konfliktarmen Zusammenleben, dann ist das sehr kluges, abwägendes utilitaristisches Denken, das die deontologischen Werte im Hinterkopf hat.«

   Die zweite Frage, die sich stellt: Wäre es deshalb nicht besser, das Kontaktverbot auf die Hochrisikogruppen der Vorerkrankten und der Älteren zu beschränken, anstatt eine ganze Bevölkerung in Quarantäne zu nehmen. Ist diese Frage diskriminierend und schonungslos? Weder das Recht auf Leben noch das Recht auf Freiheit lassen sich, jedes für sich, absolut verwirklichen, sie müssen gegeneinander abgewogen werden.

   Die dritte Frage, die sich stellt: Was ist bei der Bekämpfung einer solchen Pandemie wichtiger: der Schutz des Lebens oder die individuelle Freiheit? Ist das Recht auf Leben die Voraussetzung für alle anderen Grundrechte, folglich auch auf das Recht auf Freiheit? Fest steht, dass nur der rechtzeitige und umfassende Lockdown in Deutschland ähnliche Todesfallraten wie in Spanien, Italien, den USA oder Brasilien verhindert hat. Ein Recht auf Freiheit zum Schaden anderer darf es nicht geben!

   Weder Egoismus noch Ignoranz dürfen das Geschehen bestimmen. Vielmehr sind Solidarität und gesellschaftlicher Zusammenhalt erforderlich. Nicht um Jung gegen Alt kann und darf es gehen, nur gemeinsam wird diese Krise zu bewältigen sein.



Gesprächsangebot

Im Einzelgespräch können Sie sich mit mir über aktuell anstehende Fragen, Probleme, Konflikte, kleine und größere Krisen - insbesondere zu Ihrer beruflichen und nach-beruflichen Situation - beraten. Wir werden gemeinsam Ihre Sichtweisen, Ihre Einstellungen und Paradigmen philosophisch reflektieren, ohne Vergangenheits- oder Persönlichkeitsforschung betreiben zu müssen. Vielmehr gilt der Satz des Epiktet: Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben.

Die zentralen Fragen werden sein: Was ist es eigentlich, was ich denke und was ich will? Wer bin ich und was sind meine Werte? Es wird darum gehen, einen inneren Abstand zum eigenen Erleben zu gewinnen und meine Aufgabe wird sein, Perspektiven aufzuzeigen und Ihnen dabei behilflich zu sein, Ihre eigenen Ressourcen hervorzubringen. 

 

In den Gruppengesprächen, Seminaren und Philosophischen Cafés werden existenziell und gesellschaftlich relevante Themen in der Weise besprochen, wie sie Sokrates bereits auf der Agora, dem Fest- und Versammlungsplatz sowie Markt im antiken Athen, mit seinen Mitbürgern diskutiert hat. Dabei war die Ausgangsfrage des Sokrates immer die nach dem vortrefflichen und guten Leben und wie ein solches gelingen kann - die Grundfrage aller praktischen Philosophie, die auch heute noch überaus aktuell ist.

Einzelgespräche Beruf & Philosophie

Krise, Problem, Fragen

Einzelgespräche Älterwerden & Philosophie

Alter, Älterwerden, Berufsausstieg, Rentner, Pension, Sinn

Philosophieren  in Gruppen

Gruppengespräch, Sokratisches Gespräch, Seminare zu existenziellen Fragen

In Einzel- und Gruppengesprächen  suchen wir gemeinsam nach  Wegen, die ein zukünftig gutes und gelingendes Leben ermöglichen können.

Ausgewählte Literatur

Einführungen in die Philosophie

  • "Grundwissen Philosophie: Eine systematische Einführung" von Carl Jaspers
  • "Einführung in die Ethik" von Annemarie Pieper
  • "Folge dem weißen Kaninchen ... in die Welt der Philosophie" von Philipp Hübl
  • "Die philosophische Hintertreppe: Die großen Philosophen in Alltag und Denken" von Wilhelm Weischedel

Beruf & Philosophie

  • "Einführung in die Wirtschaftsethik" von Christoph Lütje und Carl Homann
  • "Führen  Leisten  Leben: Wirksames Management für eine neue Welt" von Fredmund Malik
  • "Philosophie der Arbeit: Texte von der Antike bis zur Gegenwart" von Michael Aßländer und Bernd Wagner
  • "Macht Arbeit glücklich?: Kluge Antworten auf eine der wichtigsten Lebensfragen" von Philosophie Magazin und Reclam Verlag

Älterwerden & Philosophie

  • "Das Alter" von Simone de Beauvoir
  • "Die Kunst des Älterwerdens" von John Cowper Powys
  • "Älter werden" von Silvia Bovenschen
  • "Die letzten Dinge" von Iris Radisch

Philosophische Praxis & Beratung

  • "Philosophische Lebensberatung: Begriff, Theorie und Methode" von Hendrik Wahler
  • "Zur Sache der Philosophischen Praxis: Philosophieren in Gesprächen mit ratsuchenden Menschen" von Anders Lindseth
  • "Philosophische Praxis: Ihr Begriff und ihre Stellung zu den Psychotherapien" von Gerd Achenbach und Daniel Brandt
  • "Philosophische Beratung" von Eckart Ruschmann 
  • "Philosophie als Therapie" von Ram Adhar Mall und Damian Peikert

Psychologie und Psychotherapie 

  • "Menschenkenntnis" von Alfred Adler
  • "Individualpsychologie und Neurowissenschaften: Zur neurobiologischen Fundierung der Theorien Alfred Adlers" von Susanne Rabenstein
  • "Neuropsychotherapie" von Klaus Grawe
  • "Sokratische Gesprächsführung in Therapie und Beratung" von Harlich H. Stavemann
  • "Die neue Psychologie des Alterns" von Hans-Werner Wahl